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Vorlage - DS-Nr. XVI/350  

Betreff: Landschaftsplan der Gemeinde Stelle;
Vorstellung des Vorentwurfes
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage
Verfasser:J. RuschmeyerAktenzeichen:611615
Federführend:Fachbereich Bauen und Umwelt Bearbeiter/-in: Ruschmeyer, Jörg
Beratungsfolge:
Ortsentwicklungs-, Energie- und Wirtschaftsförderungsausschuss Vorberatung
09.11.2015 
OEWA/15/030 Sitzung des Ortsentwicklungs-, Energie- und Wirtschaftsförderungsausschusses geändert beschlossen   
Verwaltungsausschuss Entscheidung
07.12.2015    VA/15/053 Sitzung des Verwaltungsausschusses (nicht öffentlich)      

Sachverhalt:

Der Verwaltungsausschuss hat in seiner Sitzung am 20.06.2007 die Einleitung eines Verfahrens zur Aufstellung eines Landschaftsplanes beschlossen. Wie bereits berichtet (DS-Nr. XV/205), wurde die Landschaftsarchitektin Nicola Thieme-Hack (Planungsgruppe Landschaft, Klein-Pampau) mit der Erstellung des Landschaftsplanes beauftragt.

Die Ermittlung der erforderlichen Planungsgrundlagen und die Erfassung des Bestandes von Natur und Landschaft (Zusammenstellung von Informationen über Flora, Fauna und Lebensräume, Biotoptypenkartierung, faunistische Erfassung) wurde für das Gemeindegebiet in der darauffolgenden Zeit in enger Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzabteilung des Landkreises Harburg und der Verwaltung sowie unter Einbindung der Naturschutzverbände umgesetzt (siehe auch DS-Nr. XV/283).

 

Im Rahmen der Sitzung des Ortsentwicklungs-, Energie- und Wirtschaftsförderungs-ausschusses am 09.11.2015 soll nun der erarbeitete Vorentwurf zum Landschaftsplan mit dem Zielkonzept und dem Maßnahmenkatalog (Anlagen 1-4) vorgestellt werden.

 

Die wesentlichen Inhalte der Vorentwurfsplanung können der nachstehenden Kurzfassung entnommen werden:

 

1              Bedeutung und Inhalte des Landschaftsplanes

Der Landschaftsplan wird für das gesamte Gemeindegebiet Stelle aufgestellt.

Gemäß § 9 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) hat der Landschaftsplan die Aufgabe, die in § 1 BNatSchG genannten Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege für das Gemeindegebiet zu konkretisieren. Der Landschaftsplan ist ein „Naturschutzfachplan“. Er zeigt die Möglichkeiten der Entwicklung und Nutzung von Natur und Landschaft auf und bietet damit Orientierung für weitere Planungen in der Gemeinde.

Inhaltlich ist der Landschaftsplan dreistufig aufgebaut:

1.              Erfassung und Bewertung des gegenwärtigen Zustands von Natur und Landschaft

2.              Zielkonzept

3.              Maßnahmenvorschläge

Der Landschaftsplan ist in Niedersachsen nicht rechtsverbindlich, sondern hat einen empfehlenden Charakter. Die Inhalte der Landschaftsplanung sind jedoch gemäß § 9 Abs. 5 BNatSchG in Planungen und Verwaltungsverfahren zu berücksichtigen.

Der Landschaftsplan ist aus dem Landschaftsrahmenplan zu entwickeln.


 

2              Gegenwärtiger Zustand von Natur und Landschaft

Das Gemeindegebiet Stelle zeichnet sich durch eine besondere naturräumliche Vielfalt aus.

Im Gemeindegebiet liegen drei sehr verschiedenartige Landschaftseinheiten:

              Elbmarsch (nördlich der Bahnstrecke):

waldarm, ebenes, von Grabensystemen durchzogenes Grünland, grundwassernah, schwere Böden, Obstbau in gut gegliederter Kulturlandschaft in den elbnahen Bereichen, hohe bis sehr hohe Bedeutung für den Tier- und Pflanzenartenschutz (Wiesenvögel, Weißstorch, Großer Brachvogel, Gastvögel, Fledermäuse, Pflanzen der Sümpfe und Röhrichte)

              Luheheide-Süd (Geest – südlich der Bahnstrecke):             

sandige Moränengebiete, vielfältig im Relief; kennzeichnend ist der Wechsel von Bachniederungen mit flachen Geestrücken; kleinräumiger Wechsel von Wald, Acker und Grünland, typisch sind Buchenwälder basenarmer Standorte, im Bereich der Waldparzellen und Kleingewässer sehr hohe Bedeutung für den Tier- und Pflanzenartenschutz, hohe Bedeutung als Jagdgebiet für Fledermäuse, hohe Bedeutung für gefährdete Brutvögel des Offenlandes und der Gehölzränder, wichtiger Lebensraum für Amphibien

              Luheniederung (kleiner Teil des Gemeindegebietes im Osten bei Ashausen):             

sich zur Elbe hin aufweitende Ebene, grundwassernah, durch Gehölzreihen gegliedertes Grünland, hohe Bedeutung für Wiesenvögel, hohe Bedeutung für den Biotopverbund

 

3              Zielkonzept

Es werden 5 verschiedene Zielkategorien für die Bewertung der Gebiete verwendet:

              Zielkategorie V:             

Sicherung von Gebieten mit überwiegend sehr hoher Bedeutung für Arten und Biotope:

Elbe mit naturnahem Flusswatt, Untere Seeveniederung

              Zielkategorie IV:             

Verbesserung beeinträchtigter Teilbereiche von Gebieten mit überwiegend sehr hoher Bedeutung für Arten und Biotope:             

Elbmarsch südlich Rosenweide und Fliegenberg, Landschaftsachse Großes und Kleines Brack, Bracks und Wälder im Bereich Achterdeich, Stemmbruch und Fachenfelde, Bereich Buchwedel, Südwestlicher Ashausener Mühlenbach und Am Abenberge, Grünland-Acker-Gebiet südöstlich Ashausen

              Zielkategorie III:             

Sicherung und Verbesserung von Gebieten mit überwiegend hoher Bedeutung für Arten und Biotope und hoher bis sehr hoher Bedeutung für Landschaftsbild, Boden / Wasser, Klima / Luft:

Landwirtschaftliche Bereiche bei Wuhlenburg, Rosenweide und Fliegenberg, Strukturreiche Ackerlandschaft am Buchwedel

              Zielkategorie II:             

Vorrangige Entwicklung und Wiederherstellung in Gebieten mit aktuell überwiegend geringer bis sehr geringer Bedeutung für alle Schutzgüter:             

Bereich Kieselshöh

              Zielkategorie I:             

Umweltverträgliche Nutzung in allen übrigen Gebieten mit aktuell sehr geringer bis mittlerer Bedeutung für alle Schutzgüter:             

Ortslage Stelle, Ackerlandschaft südlich Stelle.

 

4              Maßnahmenvorschläge

Ausgehend vom Zielkonzept zur natur- und umweltverträglichen Entwicklung des Gemeindegebietes werden flächenbezogene Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen zur Umsetzung des Zielkonzeptes dargestellt.

 

Schutzgebiete und schutzwürdige Bereiche

              Darstellung nach Naturschutzrecht besonders geschützter und

schutzwürdiger Gebiete:             

Natur- und Landschaftsschutzgebiete, § 30 Biotope, international geschützte Gebiete, Gebiete, die die Voraussetzung als Schutzgebiet oder –objekt erfüllen, festgesetzte Ausgleichsflächen

 

Biotopverbund

              Maßnahmen zur Biotopvernetzung:             

Kernflächen (Elbmarsch, Großer Buchwedel, Ashauser Mühlenbach, Am Abenberge, Grünlandgebiet bei Ashausen), Vernetzungsfunktion der Bachläufe und Flüsse (Seeve, Ashauser Mühlenbach, Kohlenbach, Wettern), Strukturanreicherung in landwirtschaftlichen Gebieten mit Hecken, Baumreihen, Feldrainen

 

Hinweise für die Bauleitplanung und die Siedlungsbereiche

              Sicherung typischer Siedlungsstrukturen in der Elbmarsch:

Sicherung der typischen Siedlungsformen („Marschhufen“) sowie typischer Kulturlandschaftselemente (z. B. Obstwiesen und Kleinstrukturen) in der Elbmarsch

              Berücksichtigung der Belange von Natur und Landschaft im Rahmen neuer

Flächennutzungen

              Erhalt und Sicherung naturraumtypischer Dorfstrukturen im Rahmen der

              Siedlungsentwicklung

              Erhalt von Waldbeständen in Waldsiedlungen (Bereich Kieselshöh)

              Erhaltung und Verbesserung der Einbindung von Ortsrändern in die freie Landschaft

 

Artenhilfsmaßnahmen

              Maßnahmen zur Sicherung der Standorte gefährdeter Pflanzenarten

              Maßnahmen zur Sicherung und Förderung von Fledermäusen:             

Schutz von höhlenreichen Altbäumen, Entwicklung von Hecken und Baumreihen

am Siedlungsrand (Leitstrukturen), Rotationsbrachen, naturnahe

Waldbewirtschaftung

              Maßnahmen zur Sicherung und Förderung von Brutvögeln auf der Geest:

„Feldlerchenfenster“, Rotationsbrachen, Erhalt und Entwicklung strukturreicher

Waldränder

              Maßnahmen zur Sicherung und Förderung von Wiesenvögeln in der Elbmarsch

und in der Feldmark östlich von Ashausen:             

Erhalt der Grünlandnutzung, Reduzierung der Bewirtschaftungsintensität, Vernässung, Maßnahmen zum Gelegeschutz von Kiebitz und Großer Brachvogel, Vermeidung baulicher Strukturen mit Störwirkung

              Maßnahmen zur Sicherung und Förderung des Weißstorches

              Maßnahmen zur Sicherung und Förderung von Amphibien:             

Erhaltung und naturnahe Entwicklung vorhandener Gewässer, Neuanlage von Gewässern auf der Geest, Erhalt und Entwicklung von Laubwaldbeständen im Buchwedel und als kleine Parzellen in der Agrarlandschaft

              Maßnahmen zur Sicherung und Förderung von Reptilien und Fischen

 

Wasserwirtschaft

              Entwicklung naturnaher Vordeichsbereiche

              Naturnahe Entwicklung von Bracks

              Naturnahe Entwicklung von Marschgräben und Wettern

              Ökologische Grabenbewirtschaftung

              Förderung der Durchgängigkeit und naturnahen Entwicklung von Fließgewässern

(vor allem Seeve und Ashauser Mühlenbach)

              Naturnahe Entwicklung von Seen

              Naturnahe Entwicklung von Kleingewässern

 

Landwirtschaft

              Ackerflächen mit der Priorität der Umwandlung in Grünland

              Erhaltung und Extensivierung der Grünlandnutzung

              Sicherung und Entwicklung von Sumpf- und Röhrichtvegetation

              Sicherung und Entwicklung von Kleinstrukturen im Obstanbaugebiet

              Erhaltung von Alleen

              Anreicherung landwirtschaftlicher Flächen mit Gehölzstrukturen, Erhöhung

des Dauervegetationsanteils

 

Forstwirtschaft

              Waldbewirtschaftung mit dem Ziel der Erhaltung naturnaher Bestände

              Waldbewirtschaftung mit dem Ziel der Entwicklung naturnaher Bestände

              Erhaltung bzw. Entwicklung gut ausgeprägter Waldränder

 

Bahnverkehr

              Pflege und Entwicklung von Trockenbiotopen an Bahnböschungen

 

Tourismus

              Besucherlenkung / Betretungsverbote unter Berücksichtigung des Vogelschutzes

              Ergänzung von Rad- und Wanderwegen (z. B. Verbindung als Rundwege oder zur

              besseren Erreichbarkeit von Erholungsbereichen aus der Siedlung heraus)

5              Hinweise zur Umsetzung

Der Landschaftsplan ist eine Naturschutzfachplanung ohne eigene Rechtsverbindlichkeit. Die Umsetzung des Landschaftsplanes erfolgt durch die rechtswirksame Übernahme in andere Planungen oder durch die Umsetzung von einzelnen Maßnahmen, z. B. als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft. Folgende Wege gibt es für die Gemeinde, die Inhalte des Landschaftsplanes umzusetzen:

              Integration – nach Abwägung aller Belange – in den Flächennutzungsplan oder

in Bebauungspläne

              Berücksichtigung bei Stellungnahmen zu Planungen und Maßnahmen anderer

              Planungsträger (z. B. Straßenbau, Windkraft, Bauvorhaben im Außenbereich)

              Berücksichtigung im Rahmen der Planung von Kompensationsmaßnahmen

              Berücksichtigung von Maßnahmen bei der Bewirtschaftung und Entwicklung

eigener Grundstücke

              Entwicklung von Grünflächen und naturbezogener Erholungsgebiete nach

den Maßgaben des Landschaftsplanes

              Anlage und Verbesserung von Fuß- und Radwegen

              Nutzung von Förderprogrammen zur Entwicklung von Natur und Landschaft

              Umsetzung von Maßnahmen durch Naturschutzverbände und Privatpersonen

(z. B. Pflanzung von Hecken und Feldgehölzen, Fassaden- und Dachbegrünung,

naturnahe Gärten, Fledermauskästen).

 

 


Beschlussvorschlag:

1.              Dem Vorentwurf zum Landschaftsplan der Gemeinde Stelle (Stand: 09.11.2015) mit

              Zielkonzept und Maßnahmenkatalog wird zugestimmt.

 

2.              Die Untere Naturschutzabteilung des Landkreises Harburg und die

              Naturschutzverbände sind auf der Grundlage des Vorentwurfes zum

              Landschaftsplan der Gemeinde Stelle (Stand: 09.11.2015) zu beteiligen.

 

 

 


Anlage/n:

Anlage 1:              Bestand Biotoptypen M 1:10000

Anlage 2:              Zielkonzept M 1:10000

Anlage 3:              Besonders geschützte und Schutzwürdige Bereiche M 1:10000

Anlage 4:              Planung und Entwicklung M 1:10000

 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anlage01-Bestand Biotoptypen-M 1_10000 (4421 KB)      
Anlage 2 2 Anlage02-Zielkonzept-M 1_10000 (1983 KB)      
Anlage 3 3 Anlage03-besonders geschütze Bereiche-M 1_10000 (2291 KB)      
Anlage 4 4 Anlage04-Planung_Entwicklung-M 1_10000 (3374 KB)      
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